Ich bleibe nun in meinem Modus der Dankbarkeit (mein erster Artikel aus dieser Reihe kannst Du hier nachlesen) und schreibe meine erste Liebeserklärung an mein Herkunftsland Polen und wofür ich es schätze, sogar liebe.

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Meine persönlichen 8 Gründe, Polen als Teil meiner Multikulturalität zu lieben:

1. Gastfreundlichkeit

In Polen ist der Gast der König. Es wird für den Besucher so gut wie alles besser gemacht.

Ich erinnere mich, dass ich mich sehr für unsere Besucher „anstrengen“ musste. Meine Eltern haben uns beigebracht, dass sich der Besuch bei uns mehr als gut fühlen sollte. Wenn schon jemand sich die Mühe gemacht hat, uns zu besuchen, gilt diesen Menschen das beste und Feinste anzubieten. Wir behandeln tatsächlich jeden sehr „speziell“. Wir haben selbst nicht viel zu Hause gehabt, aber wir haben den Besuch nicht wissen und spüren lassen.

Wenn ich jetzt nach all den Jahren in Deutschland nach Polen zu Besuch in meinem Elternhaus bin, fühle ich mich so besonders schön willkommen und behandelt.

Für mich machen vor allem die Menschen in Polen das Land aus. Meine eigensinnigen Landsleute zeichnet auch das spezielle Zwischenmenschliche aus. Es ist diese feine Leichtigkeit im Umgang miteinander, die ich in meinem Heimatland liebe.

Ich denke da oft an einen Wochenmarkt, wo ich theoretisch nur „einkaufen“ gehe, aber gleichzeitig das Treffen, das Plaudern, das Nachfragen oder sogar ein wenig Gerüchte und Klatschgeschichten erleben kann. Es ist diese Art des Small Talks, das nicht zu direkt, aber warm und herzlich ist und mir das gute Gefühl hinterlässt.

Der Gast ist König in Polen.

2. Polnische Familie

Wenn ich ein Bild von Polen vor Augen habe, sehe ich da einfach meine oder „die Familie“. Ein paar verwandte Menschen zusammen. Ich verbinde Polen sehr stark mit dem Bild der Familie. Für mich ist das Land Polen, das Land meiner Herkunftsfamilie. Meine Vorfahren alle kommen aus Polen. Ich bin selbst dort geboren und habe meine Kindheit dort komplett verbracht. Die Zeit mit der Familie hängt für mich mit dem gemeinsamen Essen zusammen. Ich denke da an alle die gewöhnlichen täglichen Mahlzeiten zu Hause in meiner Stadt Radom. Ich denke aber auch an die festlichen und großen Feierlichkeiten und mit vielem Essen und Trinken. Da ist es wieder dieses vieles zugleich. Polen ist katholisch, aber auch sehr trinkfest. Und dann passiert es. Bei dem gemeinsamen Essen und Trinken entwickelt sich das Gefühl des Zusammenhalts . Man sieht sich nicht oft, aber es verbindet uns alle doch dieses „etwas“. Vielleicht ist das nur das Blut, vielleicht ist da mehr als das und das Herkunftsland.

Nur ein Teil meiner polnischen Familie im Herkunftsland Polen.

3. Polnische Improvisation

Nichts zeichnet mein Heimatland in meinen Augen direkt in Polen sowie im Ausland mehr als die Vorliebe zur Improvisation aus. Ich bin fasziniert, wie viel meinen Landsleuten und mir diese Eigenschaft immer wieder verhilft. Es macht mich stolz, in vielen schwierigeren, ausgangslosen und herausfordernden Momenten doch die polnische improvisierte Art und Weise zu nutzen und eine Lösung zu suchen. Ich behaupte nicht, dass ich da immer eine Lösung finde. Aber der improvisierte Versuch, schon nach einer Lösung zu suchen, ist für mich Halberfolg und Freude pur.

Schon als Kind habe ich aus der Langweile heraus gelernt, für mich zu sorgen und mich kreativ, also aus nichts etwas zu machen, zu beschäftigen. Dabei habe ich auch unbewusst auch gelernt, Improvisation und Kreativität für meine Lage zu nutzen.

4. Offen gezeigte Gefühle und Emotionen

4.1. Lebensfreude

Ich schäme mich in Polen nicht, meine Gefühle offen zu zeigen, mich zu zeigen, wenn ich Freude empfinde. So sehr genieße ich in Polen, die offen gezeigte Gefühle der Freude, des Glücks, das laute Lachen zu erleben. Wenn wir Polen lachen, dann tun wir das meist sehr laut. Wir klatschen spontan, können vor Freude in die Luft hüpfen, ein kleines Tänzchen machen und sich einfach im Moment gehen lassen. Irgendwie können wir schnell in die Kind-Rolle zurückkehren, fast wieder in Pfützen springen, in der Öffentlichkeit laut reden oder mit Fremden scherzen. Und das wurde mir alles irgendwann mal im Laufe der Zeit immer wieder meistens in Deutschland peinlich.

Es wird mir mit diesem Artikel bewusst, wie falsch ich liege und wie sehr ich diese Eigenschaft schätze und doch vermisse und pflegen und offen leben möchte.

Ich möchte mich tagtäglich freuen, weil ich zum Beispiel in einem der sichersten, stabilsten und chancenreichsten Land der Welt leben darf. Aus diesem Grund kann ich mich schon richtig und offen freuen und dankbar sein.

Wenn ich das nächste Mal unerwartet ein Geschenk bekomme, dann zeige ich umso mehr meine Freude körperlich und verbal. Denn das bin Ich.

Meine fröhliche Seite beim Feiern in Polen.

4.2. Melancholie

Ich liebe Polen und polnische Landsleute für unsere Neigung zur Melancholie. Polen haben schon mehr als ein halbes Jahr nicht das beste Wetter und verbringen viel Zeit zu Hause. Da wird es nicht immer schmuddelig, sondern es wird nachdenklich und sinniert. Viele polnische Poeten waren durch die äußeren Bedingungen beeinflusst, ihre kreative und melancholische Seite auszuleben. Ich habe endlich gelernt zu akzeptieren, dass auch ich schon seit dem Jugendalter eine große Portion Melancholie mit mir schleppe. Es fühlt sich gut an, mit dieser Erkenntnis zu leben und sie anzuerkennen. Heute weiß ich, dass mich der polnische große Anteil der Melancholie, insbesondere im Kontext der polnischen Poesie, stark ausmacht.

Ich liebe es einfach, im Herbst und im Winter mich unter Decke, mit einer heißen Teetasse, mit einem Buch bzw. einem Poesieband auf dem Sofa zu beschäftigen.

5. Polnische (Mutter)Sprache

Natürlich liebe ich Polen wegen meiner Muttersprache. Sprache ist ein wichtiger Bestandteil meiner Herkunft und somit meiner Identität. Dank der polnischen Sprache verstehe ich grundsätzlich mein Land, die Kultur und die Menschen. Polnisch steht und bleibt für mich immer an der ersten Stelle. Ich nenne Polnisch oft meine Herzenssprache. Ich fühle und denke auf Polnisch. Mein Herz schlägt auf Polnisch, mein Kopf denkt immer noch größtenteils auf Polnisch.

Ich werde oft gefragt, auf welcher Sprache ich träume. Da ich selten träume, vergesse ich oft. Aber ich würde es sofort antworten, dass es auf Polnisch sein muss.

Wenn ich eine Wahl habe, ein Buch zu lesen, ist es in meinem Fall auch meistens die Vorliebe für polnische Bücher, polnische Schriftsteller also einfach für die polnische Sprache.

6. Unvorhersehbare

Ich liebe Polen und meine polnische Seite für das Bewusstsein bei einem besonderen Bereich. Es geht um den Raum für das Unvorhersehbare und den Glauben allgemein. Viele Polen glauben sehr stark an einen Gott, viele andere glauben an die Existenz einer Macht, Energie, Stärke. Aber die meisten glauben einfach. Es gibt einfach etwas viel Größeres als wir Menschen und dazu gehört der Respekt demgegenüber.

Für mich gehört auch in dieser Kategorie auch der Respekt vor Älteren. Ich wurde erzogen, dass ich jedem älteren Menschen, aber vor allem wirklich den ältesten den größeren Respekt demonstrieren soll. Man weiß ja nicht, wie lange dieser ältere Mensch noch auf dieser Erde sein darf. Also begegnet man ihm mit Würde und Respekt. Daher versuche ich den älteren mir in meiner Umgebung begegneten Menschen ein Grußwort und eine körperliche Vorbeugung zu demonstrieren.

Der “polnische” Glauben.

7. Zugleich

Ich glaube, ich kann diesen Grund nicht wirklich verbal beschreiben. Es muss erlebt und gefühlt werden. Polen ist eine Menschenart, die anders als Südeuropäer oder Westeuropäer ist. Es ist eine Mischung von beiden. Offen für Neues, hungrig auf die Entwicklung und den Fortschritt und gleichzeitig sehr traditionell, familiär, stolz und verwurzelt.

Polen ist wie Ich selbst vieles zugleich. Einerseits traditionsbewusst und andererseits wandelt es sich rasend schnell. Polen ist voller Überraschungen. Es steckt in diesem Land viel mehr. Es ist viel moderner und europäischer, als die meisten Menschen denken.

8. Polnisches Nationalsport – Pilzesammeln

Ein schönes Gefühl des Zusammenhalts in Polen erlebe ich noch bei unserem polnischen Nationalsport. Es ist das gemeinsame Sammeln der Pilze im Wald. Meine polnische Seele bewegt sich grundsätzlich sehr gerne, mag die Natur, vor allem den Wald, und hat sogar noch ein schönes Ziel. Viele Pilze zu sammeln und aus diesen danach etwas Leckeres vorzubereiten.

Glücklich nach dem Pilzesammeln in Polen

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Dieser Blogartikel ist eine verspätete Liebeserklärung an mein Herkunftsland Polen geworden. Danke Polen, dass ich mein Leben in Deiner Umgebung starten konnte.

Frage an Dich liebe/r Blogleser/in

Warst Du bereits in Polen? Kennst Du ein wenig Polen? Wofür könntest Du eventuell Polen schätzen?

Vielen Dank, dass Du da bist und mein Blog liest.

Deine Justyna