3 Tipps für Mentorensuche für Migrantinnen in Deutschland.

3 Tipps für Mentorensuche für Migrantinnen in Deutschland.

In dem vorherigen Post habe ich zusammengeschrieben, was Mentoring eigentlich ist und was eine Mentee und eine/n MentorIn für eine gelungene Mentoring-Beziehung kennzeichnet. Heute möchte ich unbedingt mit Dir teilen, meine besten und sehr konkreten Tipps, wie Du als ausländische ambitionierte Akademikerin oder Person mit dem Migrationsvordergrund in Deutschland, Dir eine Mentorin oder einen zu Dir passenden Mentor tatsächlich finden kannst. Ich bin nämlich stark davon überzeugt, dass jeder Mensch eine/n MentorIn brauchen und finden kann. Die ausländischen oder internationalen Frauen in Deutschland, die sich ein erfülltes Privat- und Berufsleben aufbauen wollen, können und sollten dies genauso tun.

 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Meine 3 Tipps für eine erfolgreiche Mentorensuche in Deutschland. Aus Sicht einer Migrantin. Frau mit dem Migrationsvordergrund.

 

 

Die Mentorensuche ist zwar nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Ich habe ein paar Tipps, wie Du einen Mentor und eine Mentorin in Deutschland finden kannst.

 

 

Analysiere und beobachte neugierig Dein Umfeld.

 

Es klingt fast zu banal, einfach, kinderleicht. Es ist aber nicht wirklich. Bewusstes Beobachten und Analysieren und daraus etwas zu lernen ist jedem mit der Migrationsgeschichte in Deutschland zu empfehlen. Alles in dem noch fremden Land Deutschland ist für Dich neu und oft unterschiedlich oder anders als im Heimatland. Dein Umfeld sieht völlig anders aus. Ich denke, wo sind die Orte, Plätze, Institutionen, wo Du Deine Zeit in Deutschland zuerst mal verbringst. Da fallen mir ein: Schule, Sprachschule, Universität, Bibliothek, Ausbildungsort, Arbeit, Familientreffs, Kirche, Verein, Sportstätte usw.

Stell Dir während des Aufenthalts an diesen Orten die folgenden Fragen:

  • Ist da jemand aus und in diesem Umfeld, dem Du Dich anvertrauen könntest?
  • Mit wem sprichst Du gerne?
  • Wen findest Du da schon sympathisch?
  • Wer sind alle diese ersten AnsprechpartnerInnen für Dich?
  • Welche sind Deine bisherige gewonnen neuen Kontakte, die gut bis sehr gut Deutsch sprechen und sich sehr zurecht in Deutschland finden?
  • Wer hat mit Dir trotz allen Barrieren versucht zu reden?

Vielleicht hast Du Glück und es gibt bereits ein paar Personen, die Du von Anfang an in Deinem Umfeld “im Auge hast” und mit diesen sofort gute Gespräche führen konntest. Es gibt auch diese Momente mit manchen Menschen, wo Du auch ohne viele Worte intuitiv weißt, sie wollen Dir helfen und sind genauso neugierig, wer Du bist und woher Du kommst.

 

 

Bleib offen und proaktiv.

 

Es passiert nichts ohne Deine Eigeninitiative. Hier ist wirklich Dein konkretes Handeln gefragt.

Weißt Du, was ich damit meine?

  • Aktives Zugehen auf Deine Mitmenschen, Gesprächspartner, neue Freunde, Nachbarn, KollegInnen während der Kaffee- oder Mittagspause – Du solltest Dich einfach trauen, die Menschen anzusprechen und von der Mentoring-Idee zu erzählen.
  • Aktives Fragen – direkt im Gespräch oder über Dein Handy, stelle eine Frage über WhatsApp Status oder im Facebook auf Deinem Profil . Du solltest Dich auch trauen, direkt Deine Mitmenschen nach den möglichen MentorInnen, freiwilligen, offenen, neugierigen und hilfsbereiten Menschen fragen. Diese gibt es in Deutschland sehr, sehr viele. Aber glaub mir, Du solltest schon offen und direkt danach fragen, weil niemand Deine Gedanken und Wünschen erraten kann!
  • Direkter Kontakt per E-Mail oder besser noch ein direkter Anruf Recherchieren – Wenn Du an eine bestimmte Person schon denkst oder einen guten Kontakt in einer Institution oder in einer Sprachschule etc. hast, schreibe ihr am besten eine schöne, persönliche Nachricht mit Deinem Anliegen. Teile ihr mit, Du hast von mir, einer Arbeitsmentorin in Deutschland gehört bzw. gelesen, dass das Mentoring für Dich sehr hilfreich und förderlich sein sollte und Du Dir die Mentoring-Beziehung mit der Person XY bereits vorstellen könntest. Eventuell kannst Du nach den Empfehlungen fragen, ob sie Dir eine Person nennen könnten und Du diese dann kontaktieren würdest.

 

Vielleicht hast Du Glück und es gibt einen geeigneten Kandidaten in Deinem Bekanntenkreis oder dem Bekanntenkreis Deiner Mitmenschen, der die Kompetenz aufweist, Dein volles Vertrauen genießt und auch bereit ist, sich in das Abenteuer Mentoring zu stürzen. Wenn Du auf diesem Weg nach der Mentoring-Beziehung fragst und diese zustande kommen sollte, ist das eine Art von informellem Mentoring.

 

 

Melde Dich beim institutionalisierten bzw. organisierten Mentoring Programm an.

 

Es gibt noch einen formalen Weg, auf dem Du ein Mentoring Programm finden kannst. Ich sage es ja immer, dass es in Deutschland für jede Angelegenheit eine Anlaufstelle gibt.

Eine Anlaufstelle bedeutet eine Institution, Organisation oder Person, an die man sich bei Bedarf wenden kann, wenn man Hilfe oder Unterstützung braucht

Es gibt einfach sogenannten Mentorenprogramme, die von Unternehmen, Hochschulen, Stiftungen, Vereinen, sozialen Einrichtungen, Städten und Kommunen angeboten werden. Dies sollte nicht mit Kosten verbunden sein.

Was ich konkret machen würde, wäre es zuerst aktives Recherchieren im Internet. Konkreter würde ich:

  • In die Suchmaschine, zum Beispiel Google, die Stichwörter eingeben: Mentoring Universität + Name der Stadt oder des Ortes, wo Du Dich befindest
  • In die Suchmaschine, zum Beispiel Google, die Stichwörter eingeben: Frau und Beruf Mentoring + Name der Stadt, des Bundeslandes oder des Ortes, wo Du Dich befindest
  • Bei der Arbeitsagentur, im Rathaus, beim Ausländeramt, im Verein aus Deinem Heimatland nach dem organisierten Mentoring Programm fragen.

 

Rückblick und Ausblick

 

Ich kann Dir gerne meine persönliche Perspektive zum Mentoring in Deutschland kurz schildern. Diese Perspektive, also meine persönliche Wahrnehmung, ist seit mehr als 20 Jahre in Deutschland dieselbe und lautet:

Viele Menschen in Deutschland waren und sind immer noch ganz von sich aus sehr interessiert, ihr Wissen mit anderen einfach zu teilen und für Fragen zur Verfügung zu stellen. 

Daher kann ich Dich mehr als versichern, wenn Du Dich offen, neugierig, proaktiv und zielorientiert zeigst, wirst Du früher oder später an einer oder anderen Stelle eine/n zu Dir passenden MentorIn in Deutschland finden. Es ist nur die Frage der Zeit und Deiner Haltung.

Viele deutsche und internationale, offene und genauso ambitionierte Menschen und vor allem ähnlich denkende und fühlende Mütter in Deutschland bewundern grade meine Proaktivität gepaart mit meiner kindlichen Neugier und dem riesigen Mut. Ich bin immer noch selbst als eine internationale, ambitionierte und ausgebildete Arbeitsmentorin genauso sehr gerne in der Mentee Rolle unterwegs. Ich habe ja gesagt, ich stehe vollkommen hinter dem lebenslangen Lernen.

Ich wünsche mir, dass Du erfolgreich eine/n Mentorin in Deutschland suchst und findest. Natürlich würde ich mich sehr freuen zu erfahren, ob Du andere Tipps bei der Suche hättest. Teile diese gerne in den Kommentaren.

Schön, dass Du da bist und mein Blog liest. Vielen Dank.

Justyna

 

Was bedeutet Mentoring für Migrantinnen in Deutschland?

Was bedeutet Mentoring für Migrantinnen in Deutschland?

Wenn Du ausländischer Herkunft bist oder einen Migrationshintergrund hast und in Deutschland etwas „mehr“ erreichen möchtest bzw. ein erfülltes privates und berufliches Leben führen willst, empfehle ich Dir, eine Mentoring-Beziehung einzugehen. Ich bin überzeugt, dass das Mentoring für alle Menschen sehr hilfreich sein kann. Für ausländische und ambitionierte AkademikerInnen, für Frauen mit der Zuwanderungsgeschichte in Deutschland, also für Frauen und Männer mit dem sogenannten Migrationshintergrund und mit dem Migrationsvordergrund, grade am Anfang ihres in Deutschland Ankommens, ihrer Integration oder direkt ihrer „Karriere“, kann dieses Instrument oder diese Methode nur von Vorteil sein.

Mentoring und Ich

 

Als ich mit meinen 19 Jahren als Au-pair-Mädchen nach Deutschland kam, kannte ich nicht mal den Begriff Mentoring. Ich wusste aber, dass ich im Gespräch und im Austausch mit anderen bereits mehr erfahrenen Menschen am meisten lernen kann. Einige von ihnen wurden zu meinen informellen MentorInnen. Das Wichtigste für mein privates und berufliches Wohlgefühl in Deutschland habe ich auch beim Beobachten anderer internationalen, ambitionierten zugewanderten Menschen mitgenommen. Somit war ich in der Mentee Rolle lernend unterwegs. Heute würde ich aber in meiner oder schlichtweg in einer Fachsprache sagen, dass das Mentoring eines der hauptsächlichen Personal- bzw. Persönlichkeitsentwicklungsinstrumente ist. Ich bin, noch vor der leidenschaftlichen Mentorin, eine genauso leidenschaftliche Personal- und Persönlichkeitsentwicklerin in Deutschland, geworden. Daher bin ich von allen Methoden, Instrumenten und Möglichkeiten fasziniert, die uns Menschen zur persönlichen Weiterentwicklung, Wissenserweiterung und zum persönlichen „Wachstum“ näher bringen.

 

Was ist überhaupt Mentoring?

 

Das Mentoring ist ein Erfahrungsaustausch, indem die Mentee mit einer/einem MentorIn ihre nicht nur beruflichen Themenfelder besprechen kann. Anders gesagt, zwei unterschiedliche Menschen, eine Mentee trifft sich “ganz einfach” mit einer erfahrenen Mentorin oder einem erfahrenen Mentor zusammen. Man trifft sich zum Kaffee, zum Spazieren oder heutzutage online in einer Videokonferenz. Das Mentoring ist sonst noch:

  • eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der man voneinander lernt
  • ist ein offener und ehrlicher Dialog in einem Vertrauensumfeld
  • entsteht, indem das Vertrauen von einem zu dem anderen Treffen aufgebaut wird
  • wächst, indem die Ziele, Rollen, Erwartungen und der Zeitrahmen festgelegt werden
  • heißt, Fähigkeiten und Netzwerke auszubauen
  • legt den gemeinsamen Fokus auf die Entwicklung der Mentee
  • bedeutet, Unterschiede zu schätzen und zu respektieren
  • sagt Ja zu lebenslangen Lernen
  • impliziert keinen Karriereschritt – bedeutet letztendlich – die Mentee kann nicht davon ausgehen, dass der Mentor oder die Mentorin ihr einen Job oder eine Arbeitsstelle vermittelt

 

Die 5 Kennzeichen einer erfolgreichen Mentoring-Beziehung.

 

Was soll ein/e MentorIn und eine Mentee unbedingt mitbringen?

MentorInnen bringen mit: Mentees bringen mit:
1. Zuhören, Beobachten, Spiegeln & Fragen5. 1. Interesse an Neuland & Engagement
2. Unterstützung bei Zieldefinition 2. Übernahme von Verantwortung
3. Erfahrungsweitergabe 3. Zieldefinition inhaltlicher, persönlicher Weiterentwicklung
4. Einschätzung von Erfolgen & Herausforderungen 4. Fortschritt Monitoring & entsprechende Anpassung
5. Ermutigen zum Umsetzungsplan 5. Umsetzungsmaßnahmen

 

Fazit

 

Deine Haltung als Mentee dem Thema Mentoring, Deiner Mentorin oder Deinem Mentor gegenüber, ist meiner Meinung nach der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Sicherlich ist es hilfreich, wenn zudem die ’Chemie’ stimmt.  Ich bin überzeugt, wenn Du eine wertschätzende Haltung zu dem Mentoring und zu dem Treffen mit Deiner Mentorin oder Deinem Mentor mitbringst, ist der Boden für ein interessanten und bereichernden Austausch bereitet. Sei Dir jedoch bewusst – sich auf eine komplett neue Beziehung voll einzulassen, mag am Anfang Zeit benötigen. Auch da, wo nicht sofort direkte Sympathien verspürt werden sollten, wird der eine oder die anderen überraschende Erfahrungen machen, was das letztendliche Ergebnis anbetrifft. Private und berufliche Erfüllung geht nicht davon aus, dass Du Dich mit jedem verstehen solltest und zusammen arbeiten müsst. Ein erfülltes Leben heißt für mich, dass man ergänzende zwischenmenschliche Unterschiede für sich nutzt. Das festzustellen, bedarf manchmal einer kleinen Reise.

 

Schön, dass Du da bist und mein Blog liest. Vielen Dank.

Justyna

Glossar zum Thema “Berufseinstieg in Deutschland” – die wichtigsten Begriffe für Deine Jobsuche

Glossar zum Thema “Berufseinstieg in Deutschland” – die wichtigsten Begriffe für Deine Jobsuche

Die wichtigsten Begriffe für Deine Jobsuche in Deutschland

Wenn man in Deutschland in die Berufswelt einsteigen will, also eine Arbeit oder einen Job sucht, sollte man mit einigen relevanten Begriffen vertraut werden. Es lohnt sich, sich ein bestimmtes Vokabular zu dem Thema Berufseinstieg in Deutschland anzueignen, um dieses leichter zu bedienen, am besten direkt im Bewerbungsprozess oder im Vorstellungsgespräch und später im Berufsleben zu verwenden.

Keine Angst, ich werde hier nicht ein Wörterbuch veröffentlichen. Aber ich teile hier viele reale Beispiele und Einblicke aus meiner Berufspraxis, mit jeglichen Paradoxien, Widersprüchen und der unfreiwilligen Komik des Bewerbungsverfahrens in Deutschland mit. Dieser Post dient also der allgemeinen Bildung, aber auch dem gesunden Abstand zu der herrschenden Lage vom Bewerbungsprozess.

Im Folgenden findest Du die wichtigsten Begriffe zum Beruf, der Bewerbung und dem Job Bullshit-Vokabular mit dem eigenen Eintrag und meiner persönlichen Meinung dazu.

 

Anschreiben

 

Ein bedeutungsvoller und ziemlich ernster Teil der Bewerbung. Im Anschreiben, also in einem kurzen Text, muss die Motivation des Bewerbers verdeutlicht werden. Warum willst Du genau dort, also in diesem einen Unternehmen arbeiten? Welche praktische Vorerfahrung bringst Du in diesem Bereich konkret? Warum ist die Stelle so interessant für Dich? Die Begründung sollte weniger emotional sein, als inhaltlich überzeugen. Deine Kompetenzen müssen am besten durch die Beispiele belegt werden. Gehe auch auf die Sprachkompetenz ein und beschriebe diese. Erkläre am besten, was Du tun wirst, in Deinem Deutsch bzw. Business Deutsch weiter zu verbessern. Nimm die Hilfe beim Korrigieren von den deutschen Kollegen oder Helfer unbedingt in Anspruch .

Anerkennung der Abschlüsse

 

In Deutschland müssen die im Ausland gewonnenen Schul- und Studienabschlüsse offiziell geprüft werden. Die Anerkennung Deiner Abschlüsse ist ein geniales Beispiel für das Paradox des Bewerbungsprozesses bzw. des angeblichen Fachkräftemangels in Deutschland. Da kommt eine ausgebildete, studierte, ambitionierte AkademikerIn nach Deutschland, mit ihrem Abschluss aus ihrem Herkunftsland. Sie ist bestens vorbereitet für die praktische Arbeit, hat sogar die Berufserfahrung in ihrem Heimatland gesammelt. Aber. Sie darf leider nicht „einfach so“ in Deutschland arbeiten – (es geht hier nicht um die Sprachkenntnisse, die Frage nach der Integration, der Kultur bzw. Arbeitskulturunterschiede). Es geht um diese Prüfung.

In vielen Berufen macht die Prüfung und erst die Anerkennung ihrer Qualifikation einen großen Sinn. Warum dieser Schritt sehr mühsam und bürokratisch bzw. zeitaufwendig ist, braucht einen anderen Post und “einen langen Atem”.

 

Aufstieg

 

Irgendwann haben viele von Berufstätigen einen starken Wunsch beruflich “aufzusteigen”, also eine andere, bessere, mehr interessante und angemessener bezahlte Tätigkeit beruflich auszuüben. Der starke Wunsch aufzusteigen, erscheint bei den sogenannten PotenzialträgerInnen, die entweder selbst mit ihrem Willen und starker Motivation an dem nächsten Karriereziel arbeiten oder von ihrem Vorgesetzten zu der weiteren Entwicklung nominiert worden sind. Meiner Meinung nach ist es wirklich in Ordnung, wenn grade internationale, ausländische oder Menschen mit dem Migrationshintergrund mit dem Ziel leben, Karriere bewusst zu machen und in dem Sinne immer wieder weiter beruflich aufzusteigen. Ich unterstütze sie sehr gerne auf diesem Weg 🙂

 

Arbeitsklima

 

Für viele ausländische Arbeitnehmer ist der Arbeitsstil in Deutschland anfangs ungewohnt. In vielen anderen Ländern sind die Beziehungen am Arbeitsplatz schon “enger”. Weil überall in Deutschland, sogar in Europa, Personal sparsam eingesetzt wird, ist der Arbeitsdruck für den Einzelnen automatisch höher. Dies führt eher zu sachlichen und nicht zu freundschaftlichen Mitarbeiterbeziehungen. Der Umgangston ist oft knapp und faktenorientiert und verschafft anfangs Einstiegsschwierigkeiten. Für die meisten Vorgänge in Betrieb gibt es eine Reihe von Festlegungen und Regeln.

Insgesamt ist das Arbeitsklima in deutschen Unternehmen sehr unterschiedlich. Viele moderne Firmen pflegen “flache” Hierarchien und eine offene Unternehmens- bzw. Arbeitskultur. In diesen Unternehmen kannst Du auch mehr international gesetzte Teams treffen. Da spricht man oft auch Business Bullshit und nennt das ganze Diversity Management. Dies führt alles zu einer positiven Entwicklung des Arbeitsklimas in den meisten deutschen Betrieben. Yuhhuu!

 

Arbeitskultur

 

Jede Organisation hat ihre eigene besondere Kultur, die durch ihre Werte, Prioritäten, die dort arbeitenden Menschen und noch vielem mehr im Laufe der Zeit und vielen Veränderungen, geformt wird. Diese Faktoren kommen alle zusammen und bilden auf natürliche Weise den „Rahmen für die tägliche Umgebung in einem Unternehmen“ – also die sogenannte Arbeitskultur. Wenn Du in Deutschland beruflich erfolgreich sein möchtest, solltest Du die deutsche Arbeitskultur hier gut kennen bzw. die typischen Besonderheiten verstehen. Beobachte richtig, wie sich die Kollegen untereinander verhalten, wie sie kommunizieren, wie sie die Werte und die Normen des Unternehmens im beruflichen Alltag “vorleben” und was allgemein am Arbeitsplatz üblich ist.

Weiterhin sind Regeln und Selbst-Korrektur sehr typisch für die deutsche Arbeitswelt. Wie immer hat das auch Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist die geliebte Produktivität, ein Nachteil kann die fehlende Flexibilität und wenig Improvisationsgabe in besonderen Situationen sein.

Am Ende stellst Du Dir die intelligente Frage, ob Du Dich mit der Arbeitskultur des Unternehmens identifizieren kannst oder nicht und ziehst daraus Konsequenzen.

Verdeckter Arbeitsmarkt

 

Alle Positionen, Stellenanzeigen und Stellenangebote, die nicht an den öffentlichen Arbeitsmarkt – wie über eine Stellenanzeige in der Tagespresse oder online – gelangen, sondern auf anderen Wegen besetzt werden. Ein super spannendes Thema mit einem Effekt der Spannung. Ich bin immer wieder überrascht, dass in einem in meinem Sinne zivilisierten und offenen Land wie Deutschland man offiziell von einem verdeckten Arbeitsmarkt spricht und diesen letztendlich nach wie vor weiterhin pflegt. In einfachen Worten würde ich Dir erklären, dass die Stelle gar nicht offiziell ausgeschrieben ist, alle wissen, dass ein/e neue/r MitarbeiterIn gesucht wird und diese/r auf ein Mal wirklich zu dem Bereich kommt. Der Weg ist geheim, aber alles drumherum sehr diplomatisch. Also, alle wissen Bescheid, keine/r sagt die Wahrheit 🙂 bzw. spricht das Thema an 🙂

 

Berufsanfänger und Berufserfahrene

 

In Deutschland wird oft bei der Arbeitssuche und den Stelleneinangeboten zwischen verschiedenen Zielgruppen unterschieden. Es wird geschaut, für wen die Arbeit wirklich geeignet ist. Die gängigste Unterscheidung ist die Frage nach der Länge Deiner Berufserfahrung, ob Du erst am Anfang oder mitten im Berufsleben stehst. Der Fokus liegt bei der gewonnenen Berufserfahrungen, die meistens erst im Laufe der Zeit, während der Praktika, der Aushilfsjobs und Nebenjobs erst gesammelt werden können.

Young, High und Business Professionals

 

Eine andere Kategorisierung zu der Zielgruppe bei den ausgeschriebenen Jobs oder Stellenangeboten ist die englische Variante zwischen sogenannten Professionals, also Fachleuten.

Young Professionals sind Menschen mit Hochschulabschluss (weit) unter dem 30. Lebensjahr, die schon wenige Berufserfahrungen vorweisen können, andererseits meint die Begrifflichkeit auch das Potenzial, das man dahinter vermutet.

  • High Professionals sind in einem spezialisierten Bereich überdurchschnittlich gut und erfahren. Sie sind wahre Meister auf ihrem Spezialgebiet, haben dadurch aber eine gewisse Einschränkung auf dieses eine Gebiet. Das sind meist junge Hochschulabsolventen, die aufgrund ihres Könnens bei Unternehmen besonders begehrt sind. Sie werden oft auch die hoch qualifizierten Nachwuchsfachkräfte genannt.
  • High Potentials sind in zahlreichen Bereichen überdurchschnittlich gut. Sie sind anpassungsfähig und lernen schnell.

Alle drei zeichnet das große Potenzial aus, also Menschen mit besonders hohen Leistungsfähigkeit, Stärke und Wissen. Die Professionals sind super ausgebildete Menschen, die zuerst mal Young Professionals im Studium sind, dann am Anfang ihrer Karriere als High Professionals stehen und dann im Laufe der Berufszeit zu den Business Professionals automatisch werden.

 

Beratung

 

Es geht hier um einen Prozess bzw. eine Begleitung mit dem Austausch, in dem der Ratsuchende von einer Person (dem Berater) mehr Klarheit über Probleme und Bewältigungsmöglichkeiten, Entscheidungsalternativen und Entwicklungsperspektiven gewinnt. Es geht bei der Beratung auch darum, die Informationen, das Wissen und die Erfahrung weiterzugeben bzw. zu teilen. Der Ratsuchende begibt sich bewusst auf der Suche nach dem Berater und hat auch ein bestimmtes Ziel vor Augen, was er/sie durch die Beratung „erreichen“ will. Es ist zeitlich nicht ein langer Prozess. Dadurch unterscheidet sich auch Beratung vom Mentoring. Lese mehr unter Mentoring.

 

Bewerbung

 

Eine Zusammenfassung von notwendigen Dokumenten: ein Anschreiben, ein Bewerbungsfoto, ein Lebenslauf, Zeugnisse und Übersetzungen, Qualifikationsnachweise, Angaben von Referenzen oder Referenzpersonen. Es ist wie das Anschrieben schon eine ziemlich ernste Sache. Es handelt sich um das Dokumentenpaket, mit dem Du entweder die Chance bekommst, Dich persönlich vorzustellen oder Du eine Absage bekommst. Du kannst Dich entweder Online oder postalisch mit allen ausgedruckten Unterlagen bewerben. Du kannst Dich um eine ausgeschriebene Stelle oder initiativ (mit einer Initiativbewerbung) in Deutschland bewerben.

Mein Tipp an dieser Stelle zum Bewerbungsfoto lautet seit Jahren – spare niemals bei dem Foto für Deinen Lebenslauf in Deutschland. Nutze bitte für dieses Bild aber kein Automat am Bahnhof! Am besten investiere ein wenig Geld für ein professionelles und aktuelles Foto von Dir. Der Stil für ein professionelles Bewerbungsfoto ändert sich laufend. Du hast in Deutschland grundsätzlich viel Freiheit, sich selbst zu zeigen.

 

Business Deutsch

Deutsche Sprachkenntnisse mit dem Fokus auf die Business, Wirtschafts- und Berufssprache. Die meistens erwerben von uns zuerst allgemeine Deutschkenntnisse, die leider etwas entfernt von der Büro- oder Berufssprache sind. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Du Dich zeitnah auch um die Businesssprache am besten aus dem Büroalltag oder einer oder mehreren Branchen auseinandersetzen solltest. Je mehr Du Dich damit beschäftigst, wirst Dein Einstieg leichter.

 

Coaching

 

Ufff – bei dem Begriff verstehen viele Menschen sehr verschiedene Dinge. Bei meiner Definition vom Coaching geht es um eine Methode, wo der/die Coache mithilfe vom Coach die Lösung durch die gut gestellten Fragen selbst erarbeitet. Das heißt, wenn jemand mit einem bestimmten Thema oder mit einem Problem kommt und gerne eine Lösung dafür hätte, kann der Coach ihm oder ihr inhaltlich eigentlich nicht helfen.

Fürs Coaching brauchst Du wissen, dass Du selbst die Lösung findest, in dem Du Dir Zeit zur Suche, Reflexion und Innehalten nimmst. Als der Klient oder die Klientin bist Du sowieso der Experte für den Inhalt, die Lösung für Dein Problem schlummert verborgen in Dir selbst.

Coaching ist außerdem sehr umstritten und gleichzeitig sehr gefragt; viele sprechen von einem Trend, der demnächst vergeht. Die Realität aber bestätigt das Gegenteil. Noch nie haben so viele Menschen das Coaching in Anspruch, privat sowie beruflich genommen. Sprich, sie haben sich die Begleitung geholt, aber im besten Fall die Lösung selbst gefunden.

CV, Lebenslauf, Résumé

 

Ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen, die notwendig für ein Arbeitsverhältnis bzw. fürs Kennenlernen für den Arbeitgeber sind. Wichtig ist es zu beachten, ob bei der Bewerbung tatsächlich ein CV, ein Lebenslauf oder ein Résumé gewünscht ist. In der Tabelle siehst Du die Unterschiede zwischen den drei:

 

CV Lebenslauf Résumé
Überschrift Curriculum Vitae Lebenslauf Keine
Bewerbungsfoto Nein Ja Nein
Persönliche Daten Name, Kontaktdaten, Nationalität Name, Kontaktdaten, Geburtsdatum, Familienstand, Nationalität Name, Kontaktdaten, Familienstand
Länge 2–3 Seiten (bei Bedarf auch länger, besonders bei Auflistung von akademischen Publikationen und Vorträgen) Maximal 2 Seiten Eine Seite
Aufbau Nicht chronologisch, absteigende Relevanz Chronologisch Nicht chronologisch, absteigende Relevanz
Auswahl der Daten Lückenlos Lückenlos Nur für die Stelle relevante Stichdaten und Tätigkeiten
Beschreibung der Angaben Stichpunktartige Tätigkeitsbeschreibungen der wichtigsten Stationen Nicht nötig, aber stichpunktartig möglich Nein
Referenzen Abhängig von Zielland der Bewerbung Nein Ja
Datum/Unterschrift Nein Ja Nein

 

Gehalt

 

Es ist das Geld, das Du am Ende des Monats für Deine Arbeit bzw. Leistung bekommst. Andere Synonyme sind die Vergütung, die Bezahlung, das Einkommen. Gut zu wissen: in Deutschland spricht man grundsätzlich nicht gerne über das Geld. Es ist irgendwie immer noch ein Tabuthema. Sei nicht überrascht, dass Du keine eindeutige Frage auf die Frage nach dem Gehalt von Deinen KollegInnen bekommst. Niemand darf wissen, was der/die Andere verdient. Das hat vor allem einen arbeitsrechtlichen Grund: Wer in Deutschland einen Arbeitsvertrag unterschreibt, akzeptiert meistens eine Verschwiegenheitsklausel. Zum anderen ist das eher die Haltung, die bevorzugt wird. Wegen Neid wollen viele Leute lieber nicht darüber offen sprechen, was sie für ihre Arbeit bekommen.

Andere in dem Zusammenhang wichtige Begriffe sind die Gehaltsvorstellung vor dem Berufseinstieg, die Du bereits haben solltest. In Deutschland spricht man von einem Jahresgehalt mit der Brutto-Eingabe. Im Vorstellungsgespräch werden die BewerberInnen meistens nach den Gehaltsvorstellungen gefragt, mit der Erwartung den Wunsch zu argumentieren bzw. zu vertreten. Später geht es auch um die Gehaltsverhandlung, die meistens bereits im Laufe der Tätigkeit zustande kommt. Es ist meiner Meinung eines der weniger sexy und bequemen Themen, ähnlich wie die Schließung des Arbeitsvertrags. Aber ein wenig Bürokratie muss doch auch sein 🙂

 

Mentoring

 

Beziehung zwischen einer erfahrenen Person (MentorIn) und der weniger erfahrenen Person (Mentee), bei der um eine längerfristige Beziehung und einen Erfahrungsaustausch sowie Wissenstransfer.geht. Das Ziel des gemeinsamen Treffens steht nicht ganz im Mittelpunkt, mehr handelt es sich um den Austausch und den Weg zum Ziel. Umgangssprachlich stell Dir bitte eine/n KollegIn, der/die Dir zu Seite gestellt wird und Dich bei einem Thema, Projekt, Vorhaben unterstützt, berät und begleitet. Dein/e MentorIn übernimmt mehrere Rollen abwechselnd, zwischen einem Vorbild, einem Berater, einem Coach, einem Feedbackgeber und einem „Türöffner“. Grade diese letzte auf Netzwerkarbeit ausgerichtete Rolle als „Türöffner“ spielt bedeutungsvolle Rolle beim Berufseinstieg. Wenn Du Dich erfolgreich beworben und einen Arbeitsvertrag unterschrieben hast, frage am besten direkt nach einem Mentoring Programm oder nach einer/m MentorIn in Deinem neuen Arbeitsplatz nach. Es zeigt sofort, dass Du an der Entwicklung interessiert bist und Dir direkt eine Person aus dem Unternehmen als Hilfe suchst. Vergiss dabei nicht, dass auch Dein/e MentorIn von der Beziehung und dem Austausch sehr viel profitiert, es ist eine Win-win-Situation.

Probezeit

 

Es geht um die ersten Tage, Wochen bzw. Monate in Deiner neuen Arbeit bzw. in Deiner neuen Stelle. In Deinem Vorstellungs- bzw. Vertragsgespräch solltest Du erfahren, ob Du Dich in der sogenannten Probezeit befindest. Eine Probezeit ist kein Muss, Dein Arbeitgeber kann auch ganz darauf verzichten. Wie der Name auch verrät, geht es um die Probe. Dich als Arbeitnehmer, aber auch für den Vorgesetzten als Arbeitgeber. Beide Parteien haben den Luxus, sich zu nähren und zu checken, ob sie zueinanderpassen. Üblich ist eine Probezeit von ein bis drei Monaten bei einfacheren Tätigkeiten; bei höherer Qualifikation sind sogar sechs Monate die Regel. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Probezeit nur für Auszubildende. Lese unbedingt dazu noch die Definition der ersten 100 Tagen im Job.

 

Soziale Arbeit

 

Psychologisch gesehen soll die Arbeit (noch keine soziale) Dir Struktur, Selbstvertrauen und Anerkennung bringen. Deswegen leiden viele Menschen ohne Arbeit nicht nur wegen fehlender Einkommen. Sie leiden vorwiegend an Leere und Langweile. Wenn Du aktiv werden möchtest, kannst Du freiwillige soziale Arbeit in Deutschland leisten. Diese kann einen sehr positiven Effekt bewirken. Freiwillige soziale Arbeit hat eine sehr große Bedeutung in der deutschen Gesellschaft und erfreut sich einem guten Ruf. Als freiwillige Helfer kannst du Respekt und gleichzeitig einen Baustein für Deinen Lebenslauf gewinnen.

 

Vertrag

 

Die „rechtliche“ Vereinbarung zwischen dem Arbeitnehmer (dem Bewerber) und dem Arbeitgeber, die schriftlich geschlossen wird. Dabei gehören diese wichtigen Punkte zu der Vereinbarung, auf die Du besonders aufpassen solltest:

  • die vereinbarte Arbeitszeit
  • die Anzahl der Urlaubstage pro Jahr
  • die Fristen für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses
  • ein in allgemeiner Form gehaltener Hinweis auf Tarifverträge
  • Betriebs- oder Dienstvereinbarungen
  • die auf das Arbeitsverhältnis anzuwenden sind.

Man unterscheidet in Deutschland hauptsächlich zwischen befristeten und unbefristeten Arbeitsvertrag.

Nähere Informationen kannst Du gerne weiter im Wikipedia nachlesen:https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsvertrag_(Deutschland)

100 ersten Tage im Job

 

Alles, was Du für einen guten Start im Job wissen und beachten müsst. Diese ersten 100 Tage im neuen Job sind bedeutungsvoll. Wenn Du Dich gut vorbereitest, sammelst Pluspunkte. Du bestimmst durch Dein eigenes Verhalten, wie man Dir begegnet und Dich wahrnimmt. Du kannst Deinen beruflichen Einstieg geschickter gestalten, wenn Du auch genauer weißt, in welche Fallen Du gar nicht ertappt werden möchtest. Die KollegInnen, der/die Vorgesetzten, alle in Deinem neuen Job wollen wissen und abchecken, mit wem sie „zu tun haben“. Du landest automatisch schnell in einer Schublade und aus der Du nur schwierig wieder heraus kommen kannst. Keine Angst, Du kannst auch die ersten 100 Tage in Deinem neuen Job genauso gut wie Deinen Berufseinstieg in Deutschland vorbereiten und bewusst steuern.

 

Motivation – Schlusswort

 

Der berufliche Einstieg in Deutschland beginnt mit kleinen, eigenen Erfolgen. Wenn Dein Ziel ist, in Deutschland beruflich einzusteigen und dabei erfolgreich zu sein, einen Traumjob zu finden oder sogar eine interessante Karriere zu machen, kannst Du geduldig in kleinen Schritten arbeiten. Wenn Du dieses Glossar auf Deutsch aufmerksam und zu Ende gelesen hast, hast Du somit einen Anfang für den Einstieg in die Berufswelt bereits gemacht.

 

Schön, dass Du da bist und mein Blog liest. Vielen Dank.

Justyna